Die Farbe von Blut: Oxyhämoglobin, Methämoglobin, Sulfhämoglobin

Farbe des Bluts

Dass unser Blut, der „Saft des Lebens
zuweilen eine unterschiedliche Farbe auf-
weisen kann, ist den meisten von uns si-
cher schon einmal aufgefallen:

 Kohlenstoffdioxid vs Sauerstoff Blut

mit Sauerstoff wiederbeladenes Blut

Haben wir eine Arterie verletzt, schießt hellrotes Blut stoßweise aus der Wunde im Körperkreislauf, während bei einer Verletzung einer Vene dunkelrotes Blut mehr oder weniger gleichmäßig heraus sickert. Im Wesentlichen ist es der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, welcher bei Beladung mit Sauerstoff-Teilchen eine hellrote (kirschrote) Farbe annimmt:
Oxyhämoglobin, während er ohne Sauerstoff Dunkelrot zeigt.

Die Einschränkung „Körperkreislauf“ ist deshalb notwendig, da wir einen doppelten Kreislauf haben: das Blut wird mit zwei verschiedenen Herzkammern einerseits in den Körperkreislauf gepumpt und andererseits in den Lungenkreislauf. Der Lungenkreislauf dient zum Aufladen des Bluts mit frischen Sauerstoffteilchen. Deshalb sind die vom Herzen wegführenden Arterien dort sauerstoffarm und somit die Venen entsprechend sauerstoffreich. Eine Verletzung im Lungenkreislauf tritt aber zum Glück eher selten auf.

Blaues Blut bei Adligen

Das sprichwörtliche blaue Blut der Adligen beruht hingegen darauf, dass Adlige (vor allem die Damen) eine vornehme Blässe der Haut pflegten: Braungebrannte Haut war verpönt. Denn die hatte im Mittelalter die arme Landbevölkerung, da sie regelmäßig viele Stunden im Freien bei der Feldarbeit zubringen musste.

Der Effekt des blauen Blutes rührt nun daher, dass das venöse (dunkelrote) Blut unter der wenig muskulösen und blassen Haut, vor allem an den Handgelenken, bläulich durchschimmerte.

Adlige waren also scheinbar blaublütig.

Andere Blut-Farbe aufgrund bestimmter Vergiftungen:

  • Kohlenstoff-Monooxid-Gas ist um ein Vielfachers giftiger für Menschen als Kohlenstoffdioxid. Während bei Kohlenstoffdioxid der Tod bei einer Konzentration von über 10 Prozent CO2 (100.000 ppm) nach einigen Stunden eintritt, ist dies bei Kohlenstoffmonooxid nach einer Stunde schon bei 1.500 ppm der Fall (entsprechend 0,15 % CO).
    CO ist somit ca. 66 mal so giftig wie CO2.

mit Kohlenstoffmonooxid gesaettigte Blutprobe
Nach Vergiftung mit Kohlenmonoxid erfolgt die Wiederbeladung der Hämoglobin-Moleküle mit Sauerstoffteilchen nur mit starker Verzögerung. Je nach Schwere der Vergiftung, muss mitunter über mehrere Stunden eine Behandlung mit Sauerstoff erfolgen.

Wiederbegasung bei CO-Vergiftung gelingt nicht vollstaendig

  • Vergiften mit Schwefelwasserstoff-Gas

    (Geruch nach faulen Eiern)Sulf-Haemoglobin d. H2S ist gruen

Hinweis: Es handelt sich auch bei den stark verdünnten „Ansätzen“ dennoch nicht um „Lösungen“, wie es sich im gelben Bild-Text eingeschlichen hat. Die so genanntern zellulären Bestandteile (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) sind ja noch enthalten. Daher kann es sich im physikalisch-chemischen Sinne nicht um Lösungen handeln.

Wenn H2S (irreversibel) ans Hämoglobin bindet, entsteht das grüne Sulfhämoglobin (auch Verdoglobin genannt). Es kann den Sauerstofftransport nicht übernehmen.

Schon eine Konzentration über 100 ppm Schwefelwasserstoff kann binnen einer Stunde zum Tod führen.
H2S ist also nochmals ca. 15 x so giftig wie CO.
Gut ist, dass die Geruchsschwelle für H2S extrem niedrig ist, eine Gefahr wiederum, dass wir uns relativ schnell an den Geruch gewöhnen und ihn dann nicht mehr wahrnehmen, auch wenn er in gefährlicher Konzentration vorliegt…

Vergiftung auch durch Migränemedikament möglich:

  • Vergiftung mit Nitrit

    Nitrit ist unter anderem in Nitrit-Pökelsalz enthalten. Aber auch Nitrate können im Magen-Darm-Trakt zu Nitriten reduziert werden, welche die wirksamen zweifach positiv geladenen Eisen-Ionen in dreifach positiv geladene verwandeln.
    Insbesondere Säuglinge, die noch nicht über genügend Enzyme zur Reduktion der dreifach positiv geladenen Eisenionen aufweisen, sind gefährdet. Hohe Nitratwerte in Gemüse oder  im Trinkwasser sind daher besonders für Säuglinge bedenklich.
    Wie schön ersichtlich ist: Methämoglobin-Blut hat einen braunen Farbton.

    Methämoglobin durch Vergiftung mit Nitrit, Fe2+ zu Fe3+ oxidiert

     

  • Vergiftung mit Blausäure, Cyankali, Cyaniden allgemein

Bei Vergiftung mit Cyanid (z. B. „Cyankali“) wird die Zellatmung (Endoxidation in den Zellen) blockiert. Dadurch können die Zellen keine Sauerstoffteilchen aus dem Blut verbrauchen. Das venöse Blut im Körperkreislauf ist deshalb genau so hellrot wie das arterielle.

Blausäuredämpfe führen bei einer Konzentration zwischen 100 und 200 ppm binnen einer Stunde zum Tod. Bei oraler Aufnahme von Cyankali (Kaliumcyanid) kann eine Menge von 120 Milligramm schon tödlich sein.

Laut Internetrecherche kommt der Name Blausäure vom Farbpigment Berlinerblau, in welchem Cyanid-Ionen aber sehr fest gebunden sind. Dennoch kann man aus Berliner Blau Blausäure herstellen. Es ist keineswegs so, dass Vergiftete etwa blau anliefen. Vielmehr ist das Gegenteil richtig: Da auch das venöse Blut hellrot ist, sehen Haut und Schleimhäute für einen Laien sogar sehr gesund aus.

Interessant ist, dass eines der Gegenmittel bei einer sicheren Blausäurevergiftung ausgerechnet ein Stoff ist, welcher Met-Hämoglobin erzeugt:

Wenn ca. 2/3 des Hämoglobins in dreiwertiger Form der Eisenionen vorliegen, können dadurch in der Regel die Cyanid-Ionen im Blut sicher gebunden, „abgefangen“ werden, da sie sich viel lieber mit den dreifach positiv geladenen Eisenionen zusammentun. Es wird also 2/3 des Hämoglobins im Blut „geopfert“, um in den Zellen bei der Endoxidation (bei der „Zellatmung“) die „Cyotchrom-Teilchen der Atmungskette“ vor den Cyanid-Ionen zu schützen. Dass dann nur noch ein Drittel des Hämoglobins im Blut für den Sauerstofftransport zur Verfügung steht, ist für den Organismus kurzfirstig verkraftbar. Die vollständige Blockade der Atmungskette wäre es dagegen nicht.
Bei einer solchen Behandlung verschwindet dann kurioserweise die scheinbar gesunde hellrote Hautfarbe der Patienten dann doch vorübergehend… Siehe oben: Methämoglobin-Blut ist braun!

Gegenmittel bei Cyanidvergiftung

Disclaimer: Alle hier aufgeführten Fakten und Rückschlüsse erfolgten nach bestem Wissen und Gewissen und ausgiebiger Recherche bei zuverlässigen Quellen. Dennoch kann ich keine Garantie für 100%ige Richtigkeit abgeben. Sollten in Ihrem Umfeld tatsächlich solche Vergiftungssymptome auftreten, muss unbedingt ein Notarzt zugezogen werden.

 

  • Vergiften mit destilliertem Wasser

Wirkung von destilliertem Wasser auf rote Blutkoerperchen

Aufgrund von osmotischen Effekten (unterschiedlich stark konzentrierte Lösungen, von einer semi-permeablen Membran getrennt) strömen verstärkt Wassermoleküle durch die Membran der roten Blutkörperchen ins Zell-Innere, wenn diese destilliertem Wasser, einer extrem hypotonen Lösung (Lösung mit sehr wenig gelösten Teilchen), ausgesetzt werden. So lange, bis die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) platzen. Die Zelltrümmer mitsamt den Hämoglobin-Teilchen sinken auf den Reagenzglas-Boden.

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