Portugal–Schottland wg Sonnenbrand, Interrail ’79

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Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht
Teil III

Am nächsten Tag bin ich allein an den damaligen Nackt-Strand gegangen. Ich habe nichts mit­genom­men: kein Geld, keine Badehose, kein Handtuch. Nur meine Sporthose, ein T-Shirt und Sandalen. Nach dem Schwimmen wollte ich mich durch Hin-und-Herlaufen am Strand trocknen. Nicht, weil ich sonst gefroren hätte, sondern weil der Sand beim Hinliegen auf trockener Haut nicht so stark haften bleibt. Dabei muss mich ein 15-jähriges Mädchen beobachtet haben. Als ich trocken war, habe ich sie am Strand liegend entdeckt und mich genähert. Sie sagte „Himmel“. Ich fragte, „Hallo, darf ich mich zu dir legen?“ und sie sag­te ja. Woher ich wisse, dass sie Deutsche sei. „Na, wegen ‚Himmel’!“

Hanna war 15, aus Börßum, einem Dorf nahe Braunschweig in Niedersachsen. Sie hatte Pfer­de und wollte Medizin studieren, wie ihr Bruder. Ein blau-weiß-gestreiftes Bikinihöschen hatte Hanna an. Obenrum war sie nackt. Der Strand hatte keine Regeln. Nackt, Textil, halbnackt, alles war o.k..

Als die Flut kam, wichen wir zunächst zurück, doch dann wollte sie den Strand verlassen und wir verzo­gen uns (wieder bekleidet) oben auf die Klippe und schauten aufs Meer hinaus. Falls sie doch nicht Medizin studieren könnte, würde sie in Australien eine Pferdezucht aufmachen. Sie ist übrigens tatsächlich Ärztin ge­worden, obwohl sie kein gutes Abi hatte. Wir küssten uns und schmusten. Dabei ließ ich das Gebiet im Bikinihöschen aus – weil das a) Verführung Minder­jähri­ger gewesen wäre und b) ich nicht wollte, dass der anhaftende Sand „ins Getrie­be“ kommt und c) ich damit keine Erfah­rung hatte. (Anm.: Ein gewisser Marco W. hatte viele Jahre später mit einem minderjährigen englischen Mädchen in einem türkischen Urlaubs-Resort wohl weniger Skrupel und saß dafür einige Monate im Knast.)

Leider musste Hanna am nächs­ten Tag mit ihrem Bruder und der Clique die Heimreise antreten. Von Lissabon mit dem Flugzeug. Wir verabschiedeten uns und sie lief in Richtung Camping­platz davon, ohne sich umzudrehen. Das weiß ich deshalb, weil ich selbst mich umge­dreht habe.Lagos an der Stadtmauer 1 Kopie

Zurück im Zimmer hatte ich Karl viel zu erzählen. Durch das unbe­dachte Schmusen in der vollen Sonne hatte ich inzwischen ebenfalls einen Son­nenbrand, wie mein Freund auch. Und wir beschlossen, der Sonne auszuweichen und nach Schottland zu fahren. Unterwegs wollte ich das Mädchen nochmals am Flughafen in Lissabon sehen und mir ihre Adresse besorgen. Auch dafür möchte ich mich bei meinem Freund Karl nochmals be­dan­ken, dass er „den Scheiß“ mitge­macht hat, inklusive Taxi­fahrt zum Flughafen. Und ich habe Hanna tatsäch­lich getroffen und nochmals geknutscht. Wir ha­ben uns dann eine Weile noch Briefe geschrie­ben.

Flugzeug ueber Kathedrale Kopie

Nach Schottland wegen Sonnenbrands

Lisboa Electrico beim Fort m. KarlDie Fahrt im Zug von der sehr schönen Hauptstadt Lissabon, die wir nur im Schnelldurchlauf „streiften“, die Atlantikküste hinauf bis zur Fähre nach England verlief unspekta­kulär. Aufgrund unserer Erfahrung im Expreso von Barcelona nach Sevilla hatten wir genug Essen und vor allem Trinken dabei.
Faehre n. England 79

Bei der Fähre hatten wir den Eindruck, dass das Ablegen und Anlegen insgesamt länger gedauert hatte, als die Überfahrt selber.

Wir kamen schließlich nach London,

wo wir im Hotel 101 nahe des Hydeparks ein Zimmer nahmePortrait vor Museum of Natural History m. Stoff-Umhaengetaschen. Wir haben uns von den Ge­rüchten über das schreckliche britische Essen beeinflussen lassen und aßen nur bei McDonald’s oder in Wimpy Bars und bestellten bei Selbst­be­dienungs-Italienern an der Theke „Spaghetti without cheese“. (Im Nachhinein kann ich mutmaßen, dass der deftige Geschmack des britischen Cheddar-Käses wohl der Grund für unsere Ablehnung des Reibekäses gewesen war.)

In Erinnerung ge­blie­ben ist mir das Museum of Natural History, wo ich gelernt habe, dass Vögel als Besonderheit ein „wishbone“ haben, das Gabelbein. Beim Hühn­chen­­essen ziehen zwei daran, und wer das längere Stück hat, wenn es bricht, darf sich etwas wünschen. Wissen und Aberglaube – vermittelt im Museum…


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Teil IV – Schottland und Sparsamkeit

Als ich mir an einer Londoner Schaufensterscheibe die Haare zurecht machte, sagte eine junge Eng­län­derin. „You don’t have to do that. You look good anyway.“ Leider war ich nicht schlagfertig genug, mit dem Kompliment angemessen umzugehen.Portrait Edinburgh 79

Da wir nach Schottland wollten, nahmen wir den Zug nach Edinburgh. Wir be­such­ten natürlich die Burg und erkundeten auch etwas die Umgebung, wobei wir von einem heftigen Re­genschauer über­rascht wurden. Ich wollte mit meinem Schul-Englisch angeben und fragte einen Einheimischen, „Do you call that ‘raining cats and dogs’?” Doch der sagte nur ganz trocken: „No, we call that summer.“

Die berühmte schottische Sparsamkeit lernten wir auf zweierlei Weise kennen. Der Zimmervermieter hatte im Bad ein Schild angebracht, dass man möglichst nicht baden solle. Weil ihn warmes Wasser viel Geld kosten würde. Das beeindruckte uns Schwaben und wir gingen dafür ins städtische Hal­lenbad, wo es übri­gens auch gutes und preiswertes Essen gab. Die Duschen wa­ren allerdings nicht verstellbar und das Wasser war dermaßen heiß, dass es Dauer­du­scher schwer hatten. Eine irgend­wie clevere, unverfängliche Art des Sparens…

Am Folgetag begaben wir uns auf eine ca. 4-stündige Bahnfahrt nach Inverness, in der Nähe der Highlands, einschließlich „obligatorischem“ Be­such eines Touristen-Spektakels dort („The Kilt is our Delight“). Ohne ein Zimmer zu nehmen fuhren wir mit dem Nachtzug wieder zurück nach Edinburgh, wo in der Fußgängerzone ein Folk­-Festival im Gange war. Beim Warten auf den Zug nach London hat jemand in der Bahnhofscafeteria immer wieder das Lied „My Sharuna“ von der Gruppe The Knack in der Musik­box gedrückt, so dass ich dieses abgehackte Lied jetzt noch mehr hasse. Zur Verteidigung habe ich zwischendurch „Sounds of Silence“ von Simon & Garfunkel „gekauft“.

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Teil V – framed by British Rail

Ich hatte die Adresse einer ehemaligen Brieffreundin dabei, die ich noch aus der Schulzeit von einem Brieffreundschafts-Vermittler hatte. Social media gab es ja noch nicht. Kathleen wohnte in North Walsham bei Norwich. Von London aus woll­ten wir da mal hinfahren. Ich ver­suchte immer wieder, aus einer Londoner Telefonzelle anzu­rufen, aber jedes Mal brach das Gespräch ab, bevor ich etwas sagen konnte, da die Münzen nicht hineinrollen wollten.

Irgendwie habe ich es dann aber doch geschafft und eine Verab­redung hinbekommen. Wir fuhren also nach Norwich, mieteten ein Zim­mer und wollten dann nach North Walsham weiterfahren. Als wir auf dem Bahnsteig waren, stiegen wir etwa in der Mitte des Zuges ein. Wir fanden es zwar etwas merkwürdig, dass ein Lokführer mitten im Zug saß. Aber, man hatte ja al­lerhand Schrulliges von den Engländern gehört, wie zum Beispiel, dass auch in E-Loks ein Heizer mitfährt. Obwohl er nichts zu tun hat. Dieser Lokführer aber hatte et­was zu tun, denn pünktlich zur Abfahrtszeit setzte sich der Zugteil vor unserem Waggon in Be­­­we­gung…Bahnhof v. Norwich 79

Wir stiegen aus, da wir jetzt verstanden, dass unser Trieb­wagen ein an­deres Fahrtziel haben musste, und nahmen eben den Nächs­ten. Die Familie saß schon beim Essen, als wir endlich ankamen, und wir wur­den mit den Worten „You must have smelled the food!“ begrüßt. Leider blieb vor dem letzen Zug zurück nur wenig Zeit für Gespräche und gar keine, um den dortigen Strand zu besichtigen. Bei dem Essen, das wir gerochen haben sollen, hat es sich übrigens um Irish Stew gehandelt und das war wirklich gut! Möglicherweise war unsere Pauschalverurteilung des britischen Essens doch zu voreilig gewesen…

Auch vier Wochen Interrail
gehen einmal zu Ende

Die Reise zurück nach Deutschland verlief wieder ohne besondere Vorkom­m­nisse. Zuhause angekommen, hatten wir einen Haufen dreckiger Wäsche, mehrere Filme mit Dias und jede Menge Eindrücke mitgebracht. Einen Teil davon habe ich in dieser Geschichte verarbeitet.

Namen wurden aus Persönlichkeitsgründen geändert.

Eine Geschichte zur Interrail-Reise 1980 gibt es hier:

2016: Interrail Global Pass gilt jetzt auch in D bis zur und von der Grenze

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